Warum es so einen Fall nie gab
Es ist so traurig, der Wal gibt Töne von sich, die wie Hilferufe klingen
Warum es diesen Fall noch nie gab: Der Wal, der „Timmy” genannt wird, steckt in einer Lage fest, sodass sein Kopf aus dem Wasser ragt. Am Kopf befinden sich zwei Löcher, die als „Blas“ bezeichnet werden. Würde der Wasserspiegel steigen und er würde immer noch feststecken, würde er ertrinken.
Warum eine Rettung ausweglos scheint, liegt an mehreren ineinander verketteten Umständen.
Schlick:
Wer schon einmal an der Ostsee baden war, kennt den Boden als sandig und fest. Das ist jedoch nur in der Brandungszone der Fall. Timmys Bucht ist dagegen geschützt und es gibt keine Strömung oder Brandung. Hier setzen sich Partikel und Algen ab, sodass Schlick entsteht. Schlick hat einen Sogeffekt, ähnlich wie Treibsand oder das im Wattenmeer vorkommende Schlickwatt. Er ist praktisch am Grund festgesaugt.
Wenig Salzwasser:
Das Salzwasser der Ostsee hat eine geringere Dichte als das der Nordsee oder des Atlantiks. Tiere sind in der Ostsee also schwerer. Ein höherer Salzanteil im Wasser sorgt für mehr Auftrieb, weshalb die Ostsee für große Tiere nicht geeignet ist, auch wegen dem Nahrungsangebot. Es leben nur viel kleinere Schweinswale in der Ostsee. Damit er überhaupt Auftrieb hätte, müsste der Meeresspiegel um mindestens 60 cm steigen. Dann würde er aber immer noch im Schlick stecken.
Hautprobleme:
Sein größtes Problem ist seine Haut, die durch den anderen Salzgehalt beeinträchtigt wird. Seine natürliche Schutzschicht schwindet und seine Haut wird immer empfindlicher.
Navigation gestört:
Wale orientieren sich am Magnetfeld der Erde. Sie verfügen über einen inneren Kompass und schwimmen praktisch auf unsichtbaren „Autobahnen” im weiten Meer. Küsten sind jedoch nicht gerade, sondern verwinkelt. Schaut man sich die Ostsee auf der Karte an, sieht man, dass es sich um ein Binnenmeer handelt. Es gibt nur einen verwinkelten Bereich, der in die Nordsee führt. Ein Wal weiß zwar, in welche Richtung er muss, doch die Küsten versperren ihm den Weg. Er könnte nur durch Zufall den Ausgang finden. Das ist der Grund warum er vor seiner jetzigen Position schon mehrfach gestrandet ist.
Verletzungen:
Timmy hat eine Verletzung die auf eine Schiffschraube hindeutet, außerdem schaut ein Stück eines Fischernetzes aus seinem Maul.
Geschwächt:
Seine vorigen Strandungen kosteten ihn viel Kraft. Dazu seine Hautprobleme und wann er zuletzt Nahrung aufgenommen hat kann Wochen oder Monate zurück liegen.
Eigengewicht:
Ein so großes Tier ist muss vom Wasser getragen werden, es kann nicht irgendwo liegen. Sein Gewicht drückt auf die Organe. Der Schlick in dem er eingesunken ist dämpft ein wenig ab.
Retten mit Gurten:
Gurte würden tief in seine geschädigte Haut einschneiden. Mit breiten Gurten könnte man den Wal vielleicht frei bekommen, aber für das schon geschwächte Tier würde das erheblichen Stress bedeuten. Er würde in der niedrigen Ostsee wahrscheinlich wieder stranden, wie schon zuvor. Es gab Pläne ihn mit einem Katamaran bis in die Nordsee zu bringen. Das sind aber über 100 Kilometer für das geschwächte Tier. Man vermutet, dass Timmy schon zuvor krank war, vielleicht durch seine Verletzung.
Ihn erlösen?
Eine Überdosis Beruhigungsmittel oder zuerst sedieren und dann Gift wie es Tierärzte praktizieren kommt nicht in Frage, weil man keine Erfahrung bei so großen Säugern hat. Es könnte passieren, dass die Dosis zu gering ist und er die Tötung bei vollem Bewusstsein miterlebt. Erschießen? Wohin, mit welcher Waffe? Womöglich müsste man mehrmals schießen. Die Beteiligten sagten, dass die sicherste Tötung ein Sprengsatz direkt unter seinem Kopf wäre. Diese unschöne Option will man den vielen Menschen drumherum aber nicht zumuten.
Meine Meinung:
Ich denke, er hat sich durch die vielen Militärmanöver die in Ost- und Nordsee zur Zeit stattfinden verirrt. Das Sonar stört die Navigation der Wale immens. Ich denke man hätte den Versuch mit dem Katamaran gleich zu Beginn durchführen sollen.
Was bleibt?
Dem Wal Ruhe zu geben in einer großen Absperrzone. Ihn in Ruhe sterben zu lassen. Überraschenderweise ist Timmy heute am 12. Tag mehr aktiv als die letzten Tage. Er bläst öfters, ca. alle 5 Minuten und brummt auch mehr. Er zeigt, dass er nicht sterben will, er kämpft. Das macht die Tragödie für mich umso grausamer. Timmy ist ein junger Wal, er ist nicht älter als 5 Jahre. Buckelwale werden in der Regel 80 bis 90 Jahre alt, er hätte noch sein ganzes Leben vor sich.
Der Fall macht mich traurig.
Liebe Grüß
