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RE: Vonne Endlichkait - ein super grasser Abend
Hallo Christiane,
da bin ich ja gerade zur rechten Zeit aus meinem Winterschlaf erwacht, um deinen Bericht mit zu bekommen, der Lust auf Kunst Life macht. Grass hat mir immer zugesagt wie er sich in Interviews und Gesprächsrunden gezeigt hat. Talkshows gab es da, glaube ich, noch nicht so häufig.
Mir hat überhaupt nicht gefallen, wie einige Leute "Gutmenschen" seine Verdienste um die Literatur schmälern wollten. Sie prangerten an, wie er sich zur Zeit des 2. Weltkrieges verhalten hat. Wie kann man einem jungen Menschen, der gerade von der Schulbank kommt, vorhalten in die Maschen der Nationalsozialisten geraten zu sein. Mit deren Machenschaften, die erst später publik wurden, war er garantiert nicht einverstanden.
Hallo lieber Jochen,
freut mich sehr, dass du deine Winterpause hier beendest.
Ich hatte die große Ehre, Günter Grass einmal live reden zu hören. Keine Lesung, eine politische Rede. Dabei hat er sich aus allem "Parteiengeklüngel" herausgehalten und "nur" die damals aktuelle politische Lage als Anlass zum Mahnen zur Obacht genommen. Das war sehr beeindruckend, sein Charisma werde ich nie vergessen.
Kurz nach seinem 17. Geburtstag ist Grass (Jg. 1927) im Herbst 1944 (ausgerechnet) zur Waffen-SS eingezogen worden. Das war die Zeit, als die Nazis aus Verzweiflung sogar 14-Jährige an die Front geschickt haben. Kleine Jungs... Als Deutschland etwa sechs Monate später bedingungslos kapitulierte, war Grass noch immer 17.
Als wir kürzlich darüber sprachen meinte Ralf, er habe mit 17 gewusst, was er für Entscheidungen trifft. Ich finde allerdings, dass man die Zeiten nicht miteinander vergleichen kann. Gab es damals überhaupt eine Entscheidungsmöglichkeit? Mussten "wir" jemals eine Entscheidung vor Personen, die das Maschinengewehr im Anschlag hielten, treffen?
Vorgeworfen wurde Grass in erster Linie, dass er seine SS-Zugehörigkeit so lange verschwiegen hat. Nun ja. Fast die gesamte Generation hat geschwiegen. Auch Ralfs Vater (Jg. 1923) begann erst im Alter von etwa 90 Jahren, ein wenig zu erzählen. Und das sehr, sehr gefiltert; hauptsächlich positive Erinnerungen, nie von schrecklichen Erinnerungen (die es definitiv gab, schließlich war auch er an der Front und wurde schwer verwundet).
Am Ende hat Grass nie geschwiegen, sondern früh begonnen, den Wahnsinn Nazi-Deutschlands in hochwertigster Literatur aufzuarbeiten.
!dubby 20%
Liebe Christiane,
ein Blütengruß aus Wertheim und vielen Dank für die Auffrischung wie seiner Zeit mit Günter Grass umgegangen worden ist. Ich kann nachempfinden wie emotional und nachhaltig die Begegnung mit Günter Grass auf dich gewirkt hat. Ich hab leider "nur" den Film Die Blechtrommel gesehen aber das drei mal mit Begeisterung. Von Grass nichts gelesen, aber das sollte und werde ich ändern, obwohl ich das Bücherlesen vernachlässigt habe. Mal sehen bei wem in der Familie ich fündig werde.
Herzliche Grüße Jochen
0.00 SBD,
2.18 STEEM,
2.18 SP