𝗢𝗷𝗲, 𝗴𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵 𝗶𝘀𝘁 𝗲𝘀 𝘃𝗶𝗲𝗿 𝗨𝗵𝗿 𝗺𝗼𝗿𝗴𝗲𝗻𝘀

in #deutsch3 days ago

– 𝘂𝗻𝗱 𝗶𝗰𝗵 𝗳𝗶𝗻𝗱𝗲 𝗺𝗮𝗹 𝘄𝗶𝗲𝗱𝗲𝗿 𝗸𝗲𝗶𝗻 𝗘𝗻𝗱𝗲. 📖

Andere Menschen schlafen um diese Zeit. Ich hingegen bringe mir Mediengestaltung und Buchsatz bei. Man muss schließlich Prioritäten setzen, besonders wenn man offenbar beschlossen hat, sein ohnehin schon überschaubares Resthirn vollständig auszulasten.

In den letzten Tagen habe ich mich intensiv in den Bereich Mediengestaltung beziehungsweise Buchgestaltung eingearbeitet. Genau genommen lerne ich gerade, wie man mit einem DTP-Programm den kompletten Buchsatz für meinen im Dezember erscheinenden "Bestseller" :) selbst erstellt.

Denn ich möchte solche Dinge nur ungern aus der Hand geben. Ich hatte zwar über „Urlaub gegen Hand“ jemanden gesucht, der mir dabei hilft, aber es hat sich niemand gemeldet. Und wenn sich niemand meldet, mache ich es eben selbst. :)

Das ist wirklich das Schöne daran: Man kann sich auch mit 61 Jahren noch neue Dinge beibringen. Man braucht lediglich etwas Geduld, ausreichend Kaffee und die Bereitschaft, dieselbe Anleitung ungefähr zehnmal zu lesen, weil man nach einer Stunde schon wieder vergessen hat, was man sich gerade mühsam beigebracht hatte.

Ich habe mir inzwischen Dutzende Seiten mit Anleitungen, Erklärungen und Notizen ausgedruckt und daraus praktisch mein eigenes Handbuch zusammengestellt.

Arbeitstitel:

„𝗕𝘂𝗰𝗵𝘀𝗮𝘁𝘇 𝗳ü𝗿 𝗱𝘂𝗺𝗺𝗲 𝗧𝗵ü𝗿𝗶𝗻𝗴𝗲𝗿 – 𝗼𝗱𝗲𝗿: 𝗪𝗶𝗲 𝗺𝗮𝗻 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗷𝗲𝗱𝗲 𝗦𝗲𝗶𝘁𝗲 𝗻𝗲𝘂 𝗲𝗿𝗸𝗹ä𝗿𝘁.“

Mein Oberstübchen nimmt das alles leider nicht mehr ganz so zuverlässig auf wie früher. Aber man muss sich eben zu helfen wissen. Bei anderen dauert eine Aufgabe vielleicht eine Stunde, bei mir dauert sie inzwischen zehn. Na und? Zeit ist relativ, besonders nachts um vier.

Das Wichtigste ist doch, dass am Ende ein Ergebnis herauskommt. Und ich finde, dieses Ergebnis kann sich tatsächlich sehen lassen.

Was ihr auf dem Bild seht, ist eine Seite aus einem Testkapitel. Insgesamt werden es ungefähr 520 Seiten, die ich auf diese Weise gestalten muss. Dazu kommen sämtliche Grafiken, Vignetten und Feinheiten, die ebenfalls noch vorbereitet und sauber eingearbeitet werden müssen.

Also eigentlich nur eine kleine, überschaubare Aufgabe für zwischendurch.

Und wer dieses spätere Meisterwerk schon jetzt vorbestellen möchte, bevor ich beim Buchsatz endgültig den Verstand verliere, kann das hier tun:

https://ddr20buch.de/

Dann weiß ich wenigstens, dass sich die nächtlichen Sitzungen bis vier oder fünf Uhr nicht nur für meinen Drucker und meinen Kaffeeverbrauch lohnen.

Nebenbei programmiere ich noch ein eigenes System für die Testleser. Das soll in den nächsten Tagen fertig werden. Dort können die Leser unter jedem Kapitel eine kurze Einschätzung und Bewertung abgeben. Das interessiert mich nämlich wirklich sehr: Welche Kapitel funktionieren besonders gut, wo stockt der Lesefluss und welche Stellen gefallen den Lesern vielleicht ganz anders, als ich selbst gedacht hätte?

Aber eins nach dem anderen. Zunächst wollte ich einfach wissen, ob ich den Buchsatz überhaupt selbst hinbekomme.

Und siehe da: Der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald hat es tatsächlich geschafft.

Ich habe mir für heute noch bis fünf Uhr Arbeitszeit genehmigt. Danach geht es ins Bettchen. Also jedenfalls theoretisch. Wir alle wissen, wie zuverlässig solche selbst auferlegten Zeitpläne funktionieren, wenn man gerade wieder irgendeine Kleinigkeit entdeckt hat, die unbedingt noch korrigiert werden muss.

Morgen werde ich dazu einmal ein kleines Video machen, denn ich hätte gern eure Meinung zu einigen gestalterischen Fragen.

Zum Beispiel:

Wie wirken die Initialen besser – über zwei oder über drei Zeilen?

Welche Stilrichtung passt besser?

Wie groß sollten die Abstände zwischen den einzelnen Wörtern und Zeilen sein?

Natürlich gibt es dafür bestimmte typografische Regeln. Aber ich schreibe dieses Buch hauptsächlich für Menschen zwischen 50 und 80 Jahren, also für solche alten Knacker wie mich. Deshalb ist mir ein angenehmer und möglichst optimaler Lesefluss wichtiger als irgendeine hochwissenschaftliche Regel, die zwar in einem Lehrbuch gut aussieht, aber beim Lesen die Augen verknotet.

Ganz besonders wichtig ist mir außerdem, dass das Buch von innen so wirkt, als hätte man ein Buch aus den 1970er- oder 1980er-Jahren aus einem DDR-Verlag in der Hand.

Die DDR-Verlage hatten einen ganz eigenen Stil. Das betraf nicht nur die Schriftarten und den Satz, sondern auch die Gestaltung der Kapitel, die Abstände, die Initialen und natürlich die Illustrationen und Vignetten.

Genau diesen Stil möchte ich wieder aufgreifen.

Auch die Grafiken und Vignetten sollen so wirken, als könnten sie aus einem damaligen DDR-Buch stammen. Und nein, sie werden nicht einfach mit KI erzeugt und hineingeklebt. Sie werden von mir selbst vorbereitet, bearbeitet und an den Stil des Buches angepasst.

Wenn man das Buch später aufschlägt, soll man nicht nur eine Geschichte lesen. Man soll sich für einen kleinen Moment zurückversetzt fühlen.

Natürlich funktioniert das hauptsächlich bei Menschen, die früher tatsächlich öfter einmal ein Buch in der Hand hatten. Für alle anderen ist ein Buch vermutlich dieses seltsame Ding aus Papier, das keinen Akku hat, keine Werbung einblendet und trotzdem mehrere Stunden funktioniert.

Das fertige Buch soll fast so wirken, als wäre es antiquarisch.

Also ungefähr so wie der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald, der es gerade gestaltet.


Veröffentlicht mit Welako

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