🥰 𝗘𝗶𝗻 𝗙𝗮𝗺𝗶𝗹𝗶𝗲𝗻𝘁𝗮𝗴, 𝘄𝗶𝗲 𝗲𝗿 𝘀𝗲𝗶𝗻 𝘀𝗼𝗹𝗹𝘁𝗲

in #deutsch11 hours ago

𝘂𝗻𝗱 𝗲𝗶𝗻 𝗚𝗲𝗱𝗮𝗻𝗸𝗲 𝘇𝘂𝗺 𝗣𝗳𝗶𝗻𝗴𝘀𝘁𝗲𝗻𝗱𝗲 🥰

Es gibt Tage, die fangen ganz normal an und werden am Ende doch irgendwie besonders. Gestern war für den alten Mann aus dem tiefen dunklen Wald genau so ein Tag. Kein großes Drama, kein Feuerwerk, keine Weltreise – einfach ein Tag mit Sohnemann und meiner Freundin. Und manchmal ist genau das mehr wert als alles andere.

Wir waren fast den ganzen Tag zusammen unterwegs, haben gelacht, gegessen, gespielt und am Ende saß ich da und dachte mir: Genau so sollte Familie eigentlich sein. Nicht perfekt, nicht immer einer Meinung, nicht immer ohne kleine Sticheleien – aber da. Einfach da.

Los ging es mit drei Stunden Therme in Tabarz. Für mich war das übrigens schon der dritte Tag in Folge dort, und an jedem Tag bin ich zwischen 1200 und 1500 Meter geschwommen. Der alte Mann tut also tatsächlich wieder etwas für die alte Pumpe. Wer hätte das gedacht? Wahrscheinlich nicht mal die Pumpe selbst.

Danach wollten wir in Tabarz noch ein Eis essen. Da gibt es diese kleine Eisdiele „Eistüte am Brühl“, die wirklich richtig gutes Eis hat. Nur hatten offenbar halb Thüringen und vermutlich noch drei Reisebusse denselben Gedanken. Alle Tische voll, lange Schlange davor, Parkplätze wie immer Mangelware. Also kurz überlegt, was in meinem Alter ja schon als sportliche Zusatzleistung zählt, und dann fiel mir ein: Das Eis kommt doch aus dem Feldschlösschen in Friedrichroda.

Also Auto gedreht und ab nach Friedrichroda. Dort gab es dann einen richtig schönen Eisbecher im Feldschlösschen. Und ich sage es gleich: Über diesen kleinen Schatz von Ausflugslokal schreibe ich noch einmal extra etwas. Das hat der Laden wirklich verdient.

Wieder zu Hause angekommen, mussten die verbrannten Kalorien natürlich sofort ersetzt werden. Sonst bringt man den Körper ja völlig durcheinander, und das wollen wir nun wirklich nicht riskieren. Also gab es noch ein ordentliches Stück Marzipantorte. Nicht selbst gebacken, sondern von Coppenrath & Wiese aus der Tiefkühltruhe. Man muss auch mal ehrlich bleiben. Die Torte war trotzdem lecker, und damit ist das Thema für mich ausreichend wissenschaftlich abgeschlossen.

Am Abend kam dann noch eine Runde unseres geliebten Alleswisser-Spiels auf den Tisch. Und jetzt wird es bitter. Der Sohnemann hat schon wieder gewonnen. Damit steht es in unserer ewigen Bilanz nur noch 44 zu 42 für mich. Ich hatte mal über zehn Runden Vorsprung. Über zehn! Und jetzt kommt der mir da gefährlich nah.

Ich gebe es offen zu: Ich kann schlecht verlieren. Ganz schlecht sogar. Da kann ich noch so entspannt tun, innerlich sitzt dann ein kleiner beleidigter Rentner mit verschränkten Armen und murmelt: „Das kann doch nicht wahr sein.“

Man merkt aber auch, dass einiges an Wissen, was früher mal einfach so abrufbar war, heute irgendwo zwischen Medikamentenplan, Arztterminen und „Wo habe ich schon wieder meine Brille hingelegt?“ verschwunden ist. Das Alter, die Krankheiten, die ganzen Diagnosen – natürlich spielt das alles eine Rolle. Ärgerlich ist es trotzdem. Vor allem, wenn der Nachwuchs dann auch noch triumphierend daneben sitzt.

Der eigentliche Hammer war aber die Woche davor. Da hat meine Freundin zwölf Runden hintereinander gewonnen. Zwölf! Nicht zwei, nicht drei, sondern zwölf. Jedes Mal kam genau die Farbe, die sie gebraucht hat, und jedes Mal wusste oder erriet sie die richtige Antwort. So viel Glück hat man normalerweise nur, wenn man versehentlich die Lottozahlen aus der Zukunft kennt.

Ich habe ihr noch gesagt, sie soll sofort einen Lottoschein ausfüllen. Hat sie natürlich nicht gemacht. Wahrscheinlich hätte sie sechs Richtige gehabt und den Schein dann irgendwo zwischen Kassenbon und Taschentuch verloren. Menschen sind manchmal erstaunlich konsequent darin, Chancen zu ignorieren.

Aber jetzt wird es etwas ernster.

So schön dieser Tag für mich war, so sehr hat er mich auch nachdenklich gemacht. Ich habe wirklich Glück, dass unsere kleine Mini-Familie sich so gut versteht. Wir unternehmen viel zusammen, wir fahren zusammen in den Urlaub, wir gehen auf Konzerte, wir helfen uns gegenseitig. Und zwar nicht erst dann, wenn jemand lange bitten muss. Wenn einer sieht, dass Hilfe gebraucht wird, dann wird angepackt. Genau so sollte es eigentlich sein.

Ich weiß aber auch, dass das längst nicht in jeder Familie so ist. Durch mein eigenes Umfeld und auch durch meine vielen Communitys bekomme ich immer wieder mit, wie viele Familien seit Jahren oder sogar Jahrzehnten zerstritten sind. Geschwister, die nicht mehr miteinander reden. Eltern und Kinder, die sich völlig entfremdet haben. Menschen, die sich einmal sehr nahe waren und heute nicht einmal mehr eine Nachricht schreiben.

Natürlich hat so etwas fast immer Gründe. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die sich über Jahre hochgeschaukelt haben. Manchmal sind es Verletzungen, die tief sitzen. Manchmal sind es auch Dinge, die man nicht einfach mit einem Satz aus der Welt schaffen kann. Das will ich gar nicht kleinreden.

Aber vielleicht ist Pfingsten trotzdem ein guter Moment, einmal darüber nachzudenken, ob wirklich alles für immer so bleiben muss.

Niemand sagt, dass man alles vergessen soll. Niemand sagt, dass man so tun muss, als wäre nie etwas gewesen. Aber vielleicht kann man irgendwo anfangen, wieder miteinander zu reden. Nicht mit Vorwürfen, nicht mit alten Rechnungen, nicht mit dem Anspruch, sofort alles zu klären. Vielleicht einfach mit einem kleinen ersten Schritt.

Denn wenn ich mit meinen über sechzig Jahren eines gelernt habe, dann das: Das Leben geht schneller vorbei, als man denkt. Es kommen Zeiten, in denen man krank wird. Es kommen Zeiten, in denen man einsam wird. Es kommen Zeiten, in denen ein einziges nettes Wort mehr wert ist als jede Rechthaberei der letzten Jahre.

Und irgendwann merkt man vielleicht, dass man viel zu lange gewartet hat.

Vielleicht gibt es jemanden in eurer Familie, an den ihr gerade beim Lesen denkt. Vielleicht einen Bruder, eine Schwester, ein Kind, einen Elternteil oder jemanden, der früher einmal ganz selbstverständlich dazugehört hat. Vielleicht ist da noch Wut. Vielleicht auch Enttäuschung. Vielleicht aber auch einfach nur Stolz auf beiden Seiten.

Dann nehmt euch einen Moment und fragt euch ehrlich: Ist es das wirklich wert, noch mehr Lebenszeit damit zu verlieren?

Manchmal reicht eine kleine Nachricht. Kein großer Roman, keine perfekte Entschuldigung, keine große Rede. Vielleicht einfach nur: „Komm, lass uns reden.“

Das ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist oft genau das Gegenteil.

Vielleicht wird daraus nicht sofort alles wieder gut. Vielleicht braucht es Zeit. Vielleicht auch mehrere Anläufe. Aber wenn niemand den ersten Schritt macht, bleibt alles genau so, wie es ist. Und manchmal ist genau das das Traurigste daran.

Wir haben jetzt noch ein paar Stunden Pfingsten übrig. Vielleicht ist genau heute ein guter Moment, den eigenen Schatten mal ein kleines Stück zur Seite zu schieben.

Und vielleicht denkt ihr irgendwann zurück und sagt: Eigentlich war es gut, dass der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald an diesem Tag einfach mal diesen kleinen Stupser gegeben hat. 🌲💚


Veröffentlicht mit Welako

Sort:  

Hello @greece-lover, A witness vote has been cast for your account. We wish you success.