🕊️ 𝗙𝗿𝗼𝗵𝗲 𝗣𝗳𝗶𝗻𝗴𝘀𝘁𝗲𝗻, 𝗶𝗵𝗿 𝗟𝗶𝗲𝗯𝗲𝗻
𝘂𝗻𝗱 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝗸𝗼𝗺𝗺𝘁 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗸𝗹𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗤𝘂𝗶𝘇𝗳𝗿𝗮𝗴𝗲 𝘃𝗼𝗺 𝗮𝗹𝘁𝗲𝗻 𝗠𝗮𝗻𝗻 🕊️
So Leute, wünscht man sich heute eigentlich noch „Frohe Pfingsten“? Oder klingt das inzwischen schon wie etwas, das früher auf einer Postkarte stand, direkt neben einer Taube, drei Blumen und einem Spruch, den die Oma ausgesucht hat? Ich kam da heute selbst kurz ins Grübeln. Und weil Grübeln beim alten Mann aus dem tiefen dunklen Wald bekanntlich gefährlich werden kann, machen wir jetzt daraus einfach eine kleine Bildungsreise. Natürlich kostenlos. Ihr müsst nur weiterlesen. Also quasi Bildung gegen Lebenszeit. Fairer Deal, würde ich sagen.
Aber mal ganz ehrlich von Mensch zu Mensch: Wer von euch weiß denn wirklich noch genau, was Pfingsten eigentlich für ein Feiertag ist? Warum das so heißt? Was da gefeiert wird? Und warum wir dafür sogar einen Montag frei bekommen? Seid ehrlich. Ihr dürft in die Kommentare schreiben: „Mensch Holger, das wusste ich doch alles längst, erzähl mir was Neues.“ Oder natürlich: „Professor Jacob, du hast mein Leben verändert, ich werde dich ab sofort bei jeder Familienfeier zitieren.“ Beides ist völlig in Ordnung. Das zweite gefällt mir natürlich besser. 😄
Fangen wir mit dem Namen an. „Pfingsten“ kommt ursprünglich aus dem Griechischen, von „pentēkostē“, und das bedeutet schlicht und ergreifend „der Fünfzigste“. Klingt erstmal wie eine Platzierung beim Dorfmarathon, ist aber tatsächlich der Ursprung des Wortes. Gemeint ist der fünfzigste Tag nach Ostern. Aus diesem griechischen Wort wurde dann über Latein, Gotisch und Althochdeutsch irgendwann unser heutiges „Pfingsten“. Da sieht man mal wieder: Selbst ein Feiertag hat mehr Sprachgeschichte hinter sich als manche Leute in einer kompletten WhatsApp-Nachricht.
Und was wird nun gefeiert? Im christlichen Glauben ist Pfingsten das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes. Nach der biblischen Erzählung saßen die Jünger Jesu fünfzig Tage nach Ostern in Jerusalem zusammen. Dann kam plötzlich ein Brausen wie von einem starken Wind, es erschienen Feuerzungen über ihren Köpfen, und auf einmal konnten sie in fremden Sprachen sprechen. Die Menschen aus verschiedenen Ländern verstanden sie plötzlich alle. Also im Grunde das Gegenteil von dem, was heute manchmal in Kommentarspalten passiert. Da schreiben alle dieselbe Sprache und verstehen sich trotzdem nicht.
Deshalb gilt Pfingsten auch als Geburtstag der Kirche. Denn ab diesem Moment sollte die Botschaft in die Welt getragen werden. Die bekannten Symbole sind deshalb die weiße Taube für den Heiligen Geist und die Flammen für diese Feuerzungen. Und falls ihr zu Pfingsten mal in eine Kirche geht: Rot ist dort oft die liturgische Farbe. Wegen Feuer, Begeisterung, Geist und so weiter. Also nicht, weil der Pfarrer versehentlich in den falschen Kleiderschrank gegriffen hat.
Spannend ist auch: Pfingsten hat seine Wurzeln im jüdischen Glauben. Es hängt mit dem jüdischen Wochenfest Schawuot zusammen, das ebenfalls fünfzig Tage nach Pessach gefeiert wird. Ursprünglich war Schawuot ein Erntefest, später wurde es auch mit der Übergabe der Thora am Berg Sinai verbunden. Pfingsten und Schawuot sind also sozusagen entfernte Verwandte aus derselben großen religiösen Familienfeier. Und wie das bei Familienfeiern so ist: Irgendwann weiß keiner mehr ganz genau, wer mit wem verwandt ist, aber alle sitzen am Tisch und essen trotzdem mit.

Und warum ist bei uns auch der Pfingstmontag Feiertag? Ganz einfach: Große kirchliche Feste wurden früher oft nicht nur an einem einzigen Tag gefeiert, sondern über mehrere Tage hinweg. Weihnachten hat ja auch den zweiten Feiertag, Ostern den Ostermontag, und Pfingsten eben den Pfingstmontag. Das ist also nicht entstanden, weil irgendwann ein Beamter dachte: „Ach komm, Montag arbeiten ist sowieso eine Zumutung für die Menschheit.“ Auch wenn man ihm dafür durchaus hätte danken können.
Pfingsten gehört übrigens neben Weihnachten und Ostern zu den drei großen Hochfesten der Christenheit. Es ist also kein kleiner Nebenfeiertag, den man irgendwo zwischen Grillrost, Ausflug und Kartoffelsalat einsortiert, sondern einer der richtig wichtigen Tage im Kirchenjahr. Dass viele heute eher wissen, wann der Supermarkt wieder aufmacht, ist eine andere Geschichte. Aber gut, wir leben in modernen Zeiten. Der Mensch braucht schließlich Brot, Milch und Grillkohle.
Und dann gibt es da noch die Pfingstrose. Die heißt tatsächlich so, weil sie meistens um Pfingsten herum blüht. Genial, oder? Manchmal ist Sprache erstaunlich praktisch. Keine komplizierte Marketingagentur, kein lateinischer Fachvortrag, keine PowerPoint-Präsentation mit 47 Folien. Die Blume blüht zu Pfingsten, also heißt sie Pfingstrose. Fertig. So einfach könnte das Leben sein, wenn der Mensch nicht ständig versuchen würde, alles unnötig kompliziert zu machen.
In vielen Gegenden gab und gibt es auch Pfingstbräuche: den Pfingstochsen, den Pfingstkönig oder den Pfingstbaum. Da wurden Ochsen geschmückt, junge Männer gekrönt oder Birkenbäume aufgestellt. Vieles davon ist heute fast vergessen, aber in manchen Dörfern lebt es noch weiter. Gerade hier in Thüringen findet man solche alten Bräuche noch hier und da. Und ich finde das ehrlich gesagt schön. Nicht, weil ich jetzt morgen mit einem geschmückten Ochsen durch den Wald ziehe, keine Sorge. Obwohl man in meinem Alter ja nie ganz ausschließen sollte, dass einem plötzlich neue Hobbys einfallen.
So, ihr Lieben, das war die kleine Pfingstlektion vom alten Mann aus dem tiefen dunklen Wald. Jetzt seid ihr wieder ein kleines Stück schlauer, ganz ohne Schulbank, ohne Klassenarbeit und ohne dass jemand vorne mit Kreide an die Tafel geklopft hat. Falls ihr das heute beim Kaffee, beim Grillen oder beim Spaziergang weitererzählt, dürft ihr ruhig so tun, als hättet ihr das schon immer gewusst. Ich verrate euch nicht.
Und falls jetzt jemand denkt, der Holger ist plötzlich hochreligiös geworden: Entwarnung. Ich finde solche Geschichten einfach spannend. Sprache, Geschichte, Religion, alte Bräuche – das gehört alles zu unserer Kultur. Man muss nicht alles glauben, um es interessant zu finden. Man darf auch einfach neugierig sein. Hat früher übrigens auch keinem geschadet. Meistens jedenfalls.
In diesem Sinne: 𝗙𝗿𝗼𝗵𝗲 𝗣𝗳𝗶𝗻𝗴𝘀𝘁𝗲𝗻 𝗲𝘂𝗰𝗵 𝗮𝗹𝗹𝗲𝗻! Genießt das verlängerte Wochenende, esst was Leckeres, macht euch einen schönen Tag und denkt vielleicht kurz daran, dass hinter diesem Feiertag deutlich mehr steckt als nur ein freier Montag und die Frage, ob noch genug Bratwürste im Kühlschrank liegen. 🌲🕊️
Kurz gesagt: Pfingsten ist viel älter, spannender und bedeutender, als viele denken – und genau deshalb lohnt es sich manchmal, solche Feiertage nicht einfach nur mitzunehmen, sondern wenigstens kurz zu wissen, warum man eigentlich frei hat.
Veröffentlicht mit Welako
Interessant, Hr. Prof. 13. Apostel Holger!
Das mit der 50 wusste ich nicht oder es ist in den tiefen dunklen Gehirngängen verloren gegangen.
Was mich gewundert hat, warum nicht 49, das wären genau 7 Wochen. Aber es passt schon, man sagt ja auch Sonntag in 8 Tagen und meint damit den nächsten Sonntag.
0.00 SBD,
1.04 STEEM,
1.04 SP