🐋 𝗗𝗶𝗲 𝗪𝗮𝗹𝗿𝗲𝘁𝘁𝘂𝗻𝗴 𝘃𝗼𝗻 𝗧𝗶𝗺𝗺𝘆
– 𝘃𝗶𝗲𝗹𝗹𝗲𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗱𝗼𝗰𝗵 𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝘀𝗼 𝘂𝗻𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝗻ü𝘁𝘇𝗶𝗴, 𝘄𝗶𝗲 𝘂𝗻𝘀 𝘃𝗲𝗿𝗸𝗮𝘂𝗳𝘁 𝘄𝘂𝗿𝗱𝗲? 🐋
𝗩𝗼𝗿𝘄𝗲𝗴 𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗲𝗵𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲 𝗪𝗮𝗿𝗻𝘂𝗻𝗴: Ja, das wird lang heute. Sehr lang sogar. Aber dafür wurde das Ganze auch ordentlich recherchiert – nach meinem Eindruck ausführlicher als bei manchem der großen Medienportale, die ja inzwischen alle irgendwie untereinander verbandelt und vernetzt sind und sich gegenseitig die Texte abschreiben. Jeder von euch kann das übrigens auch selbst nachprüfen, das ist heutzutage wirklich kein Problem mehr – ein bisschen Geduld, eine Suchmaschine und der Wille, auch mal über den eigenen Bild-Tellerrand hinauszuschauen, reichen völlig aus. Wer also lieber nur die kurze Heldengeschichte mit Liveticker und Bananen-Foto haben will, der scrollt am besten direkt weiter. Wer aber wirklich wissen möchte, wer da im Hintergrund die Fäden gezogen hat – bitte schön, hier kommt der ganze Salat.
Man hört es ja jetzt überall, die immer gleichen Sätze: „Jeder darf mit seinem Geld machen, was er will." „Das war doch alles privat finanziert, das geht euch nichts an." „Die haben das aus reiner Tierliebe gemacht, ganz uneigennützig." Und ja, vom Prinzip her stimmt das natürlich – wer reich ist, darf sein Geld verbrennen, wofür er lustig ist. Niemand muss sich rechtfertigen, wenn er ein paar Millionen für einen Wal raushaut. Schon klar.
Nur – und jetzt kommt das große ABER – wenn der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald sich das Ganze etwas genauer anschaut, dann drängt sich ihm schon eine Frage auf: War das wirklich so uneigennützig, wie die Bild und ihre ganzen Schwesterblätter es uns wochenlang verkauft haben? War da wirklich nur die reine Liebe zum Tier am Werk? Oder war da vielleicht noch ein klitzekleines bisschen mehr im Spiel? Schauen wir mal genauer hin.
Der Buckelwal Timmy ist tot. Vor der dänischen Insel Anholt angespült. Identifiziert über den Tracker, den die selbsternannten „Retter" ihm verpasst hatten. Möwen fressen sich gerade an seinem Kadaver satt. Die Dänen lassen ihn liegen, weil das in Dänemark als „natürlicher Teil des Gangs der Natur" gilt – ein Satz, der in deren Bereitschaftsplan für Walstrandungen wörtlich so drinsteht. Vielleicht hätte man da mal reinschauen sollen, bevor man Millionen verbrannt hat.
Ich habe das Spektakel von Anfang an mit zusammengekniffenen Augen verfolgt. Und je länger das Ding lief, desto deutlicher wurde: Hier stimmt was nicht. Hier stimmt richtig was nicht.
𝗙𝗮𝗻𝗴𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 𝗺𝗮𝗹 𝘃𝗼𝗿𝗻𝗲 𝗮𝗻 – 𝗯𝗲𝗶 𝗱𝗲𝗻 𝘇𝘄𝗲𝗶 𝗛𝗮𝘂𝗽𝘁𝘀𝗽𝗼𝗻𝘀𝗼𝗿𝗲𝗻 🕵️
Da wäre zum einen Walter Gunz, 79, Mitgründer von Media Markt. Vermögen laut Manager Magazin rund 500 Millionen Euro. Der Mann, der den Spruch „Ich bin doch nicht blöd" geprägt hat. Hat sein Buch „Ich war doch nicht blöd" 2013 veröffentlicht – soll ja keiner sagen, er hätte sich nicht selbst auf die Schulter geklopft.
Was die Bild und ihre Schwesterblätter beim Heldenporträt aber gerne weggelassen haben: Walter Gunz war von 2005 bis 2008 Geschäftsführer der Axel Springer E-Commerce GmbH. Eine Tochter des Springer-Verlags. Und – Zitat aus Focus, nicht aus irgendeinem Verschwörungsblättchen – „er hat bis heute einen heißen Draht zur Bild-Zeitung. Die weiß, wie man Kampagnen orchestriert." Business Insider gehört übrigens auch zur Axel Springer SE. Genau die Plattform, die wochenlang in vorderster Front jeden Atemzug des Wals als Heldengeschichte verkauft hat. Komischer Zufall, oder?
Hand aufs Herz: Hat irgendjemand vor diesem Wal jemals von Walter Gunz im Zusammenhang mit Tierschutz gehört? Nein. Hat er. Mit 79 entdeckt der Mann sein Herz für Wale – ausgerechnet dann, wenn die Bild jeden Atemzug live tickern kann. Vorher nie auch nur ein Wort, nie eine Spende, nie eine Initiative. Aber jetzt plötzlich, ganz plötzlich, dieses brennende Bedürfnis, einen Buckelwal in die Nordsee zu schippern. Und natürlich nicht still und leise, sondern mit Liveticker, Exklusivinterviews und Pressefotos. Was du aussendest, kommt zurück – das soll laut Joyn seine Lebensphilosophie sein. Mit „aussenden" meinte er offenbar Pressemitteilungen.
𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝗻𝗻 𝗶𝘀𝘁 𝗱𝗮 𝗻𝗼𝗰𝗵 𝗞𝗮𝗿𝗶𝗻 𝗪𝗮𝗹𝘁𝗲𝗿-𝗠𝗼𝗺𝗺𝗲𝗿𝘁 🐎
Geboren 1963 in West-Berlin, verheiratet mit Ulrich Mommert, 84. Das Familienvermögen liegt laut Forbes bei 1,7 Milliarden US-Dollar. Milliarden. Mit B. Das Geld kam aus dem Verkauf des österreichischen Beleuchtungsherstellers ZKW an den südkoreanischen Konzern LG im Jahr 2018.
Und was macht Karin Walter-Mommert mit dem Geld? Sie betreibt einen der größten Trabrennställe Europas. Gestüt Brammerau zwischen Hamburg und Lübeck. Gestüt Eichstädt bei Berlin. Und ein „Imperium im Süden Schwedens" mit zuletzt 149 Trabrennpferden auf den schwedischen Trainingslisten. 1999 wurde sie Europameisterin der Amateurfahrerinnen. Ihr Mann Ulrich war Eigentümer und langjähriger Lenker der Trabrennbahn Mariendorf in Berlin und Vorstand im Hauptverband für Traberzucht.
Warum ich euch das so genau erzähle? Weil Trabrennsport seit Jahren in der Dauerkritik wegen Tierschutzproblemen steht. Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert offen: tierschutzwidrige Hilfsmittel, Peitschenhiebe, Köpfe in „starrer Haltung" fixiert, Zungen mit Bändern oder Nylonstrümpfen am Unterkiefer festgebunden. Sulkys, Sporen, Stoßzügel. Und – das ist der eigentliche Hammer – ausgerechnet für Trabrenn- und Galopprennpferde wurde in den neuen Tierschutz-Leitlinien des Bundesministeriums kein Mindestalter beim Trainingsbeginn vorgeschrieben. Pferde, die noch nicht mal zwei Jahre alt sind, werden auf die Bahn geschickt.
Und genau diese Frau, die ein Imperium auf einem Sport aufgebaut hat, der seit Jahren wegen Tierquälerei in der Kritik steht, entdeckt jetzt plötzlich ihr Herz für einen Buckelwal. Vorher öffentlich nicht ein Wort zum Tierschutz. Aber jetzt, ganz plötzlich, neben dem Mediamarkt-Mann mit dem Bild-Draht. Wer's glaubt, wird selig.
𝗗𝗮𝘀 „𝗥𝗲𝘁𝘁𝘂𝗻𝗴𝘀𝘁𝗲𝗮𝗺" 𝘂𝗻𝗱 𝘄𝗲𝗿 𝗱𝗮 𝘄𝗶𝗿𝗸𝗹𝗶𝗰𝗵 𝗺𝗶𝘁𝗴𝗲𝗳𝗮𝗵𝗿𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁 ⚠️
Jetzt wird es interessant. Der „Koordinator und Initiator" der Aktion, der Mann, der Minister Backhaus angeblich in einem persönlichen Gespräch von der Rettung überzeugt hat, heißt Jens Schulz. Berliner, nennt sich selbst „Digital Creator", ist als Influencer für die AfD tätig und macht aus seiner Nähe zur Partei kein Geheimnis – mehrfach hat er auf Facebook offen für die AfD geworben und einen Aufruf geteilt, ihr als Mitglied beizutreten. Soweit erst einmal sein gutes Recht, in einer Demokratie darf jeder die Partei unterstützen, die ihm gefällt. Bedenklich wird es allerdings bei dem, was Schulz darüber hinaus auf seinen Profilen so absondert – recherchiert und veröffentlicht von Tagesspiegel, taz, t-online und Spiegel:
Er nannte Bundeskanzler Friedrich Merz eine „Schwuchtel". Den ukrainischen Präsidenten Selenskyj einen „Verbrecher", einen „Schmarotzer". Muslime bezeichnet er als „lebenden Müll", als „Halbwilde" mit „barbarischen Sitten". Über Juden schrieb er nach Kritik an Israels Vorgehen in Gaza: „Und dann wundern sich die Juden, dass sie überall verhasst sind." Bewohner des Berliner Stadtteils Gesundbrunnen sind für ihn „nur noch die Ölaugen". Linke sind „Ratten". Er nannte Westdeutsche „total verblödet". Als ihm das alles aufflog, behauptete er allen Ernstes, sein Account sei „gehackt" worden. Glaubt ihm keiner, der noch alle Tassen im Schrank hat.
Im inneren Kreis weiter: Danny Hilse, Gesichtstattoo, ehemaliger Hells Angel. Auch er offen AfD-nah – stand mit AfD-Mütze vor einem AfD-Stand, trat als Organisator für die Initiative „Gemeinsam für Deutschland" auf, machte Wahlkampf für die AfD-Politikerin Christina Baum. Die abgereiste Tierärztin Jenna Wallace aus Hawaii warf ihm vor, er habe „beinahe mit der Schiffsschraube Timmys Fluke überfahren". Hilse sei so sehr damit beschäftigt gewesen, sich selbst zu filmen und zu telefonieren, dass er „genau das Gegenteil" von dem getan habe, was der Wal gebraucht hätte.
Auch dabei: Klaus Kraft, Vorsitzender Tierrettung Vorpommern-Greifswald. Im März 2026 erstinstanzlich wegen Untreue in 30 Fällen verurteilt. Der Landkreis hat die Zusammenarbeit längst beendet. Und Sergio Bambarén, ein peruanischer Schriftsteller, dessen einzige Qualifikation Bücher mit Titeln wie „Der träumende Delphin" sind. Selbsternannter „Walflüsterer". Kein Meeresbiologe, kein Tierarzt, gar nichts. Selbst das Künstlerkollektiv Pixelhelper ist am 14. April ausgestiegen, als rauskam, dass Schulz AfD-Mitglied und Gunz Sympathisant sei. Begründung: Sie wollten nicht, dass „der Wal für die Demokratie sterbe".
Und genau dieser Truppe – einem in Untreue verurteilten Tierretter, einem AfD-Influencer mit deftigem Wortschatz, einem Ex-Rocker mit politischem Faible und einem Buchautor ohne jede Walerfahrung – hat ein SPD-Minister die Verantwortung für einen 12-Tonnen-Wal übertragen. Mit dem Geld eines Mediamarkt-Millionärs mit Bild-Draht und einer Trabrennstall-Königin. Wenn das kein Theaterstück ist, dann weiß ich es auch nicht.
𝗨𝗻𝗱 𝗷𝗲𝘁𝘇𝘁 𝗸𝗼𝗺𝗺𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗥𝗶𝗲𝘀𝗲𝗻-𝗛𝗮𝗺𝗺𝗲𝗿, 𝘂𝗻𝗱 𝗴𝗲𝗻𝗮𝘂 𝗮𝘂𝗳 𝗱𝗲𝗻 𝗸𝗼𝗺𝗺𝗲𝗻 𝗮𝘂𝗳𝗳𝗮𝗹𝗹𝗲𝗻𝗱 𝘄𝗲𝗻𝗶𝗴𝗲 𝗠𝗲𝗱𝗶𝗲𝗻 𝘇𝘂 𝘀𝗽𝗿𝗲𝗰𝗵𝗲𝗻 💸
Und dann ist da noch ein Punkt, den der alte Mann aus dem tiefen dunklen Wald auf den ersten Blick selbst übersehen hatte – bis er anfing, etwas genauer zu graben. Wer in den letzten Wochen die Berichterstattung von Tagesspiegel, ZDF, NDR, Spiegel, t-online, dpa und Nordkurier durchforstet, stellt fest: Die Sache wird in sämtlichen seriösen Quellen ausschließlich als „private Initiative" oder „privat finanzierte Rettungsinitiative" bezeichnet. Es gibt keinen Vereinsnamen. Keine Vereinsregister-Nummer. Keine Stiftung. Keine gemeinnützige GmbH. Schlicht: keine eingetragene Rechtsform.
Die Beteiligten tragen Funktionsbezeichnungen wie „Geldgeber", „Initiator", „Rechtsanwältin der Initiative" oder „leitende Tierärztin der Initiative". Aber eben nicht „Vorsitzender des Vereins Walhilfe Ostsee e.V." oder „Geschäftsführer der Buckelwal-Rettung gGmbH". Weil es das schlicht nicht gibt.
Und jetzt fragt sich der alte Mann: Wieso eigentlich nicht? Wer in Deutschland wirklich uneigennützig große Summen für einen guten Zweck einsetzen will, der gründet normalerweise einen gemeinnützigen Verein. Mit Freistellungsbescheid vom Finanzamt, mit Eintrag im Zuwendungsempfängerregister beim Bundeszentralamt für Steuern. Das hat drei knallharte Vorteile.
Erstens: Der Spender kann seine Spende nach Paragraph 10b Einkommensteuergesetz mit bis zu 20 Prozent seiner Einkünfte von der Steuer absetzen. Bei einem Mann wie Gunz, dessen Vermögen das Manager Magazin auf 500 Millionen Euro schätzt, oder bei Karin Walter-Mommert, deren Familienvermögen Forbes mit 1,7 Milliarden US-Dollar angibt, wäre das richtig viel Geld zurückgeflossen. Wir reden hier nicht von hundert Euro, sondern potenziell von hunderttausenden, wenn nicht Millionen.
Zweitens: Andere Menschen hätten ebenfalls steuerbegünstigt mitspenden können. Bei einem öffentlich registrierten Verein wäre das gesamte Spendenvolumen deutlich höher gewesen, ohne dass Gunz und Walter-Mommert auch nur einen Cent mehr ausgeben müssten.
Drittens, und das ist der entscheidende Punkt: Es wäre transparent. Ein Verein ist verpflichtet, seine Mittelverwendung offenzulegen. Der Vorstand haftet persönlich. Das Finanzamt prüft alle paar Jahre, ob alles ordentlich gelaufen ist. Es muss eine ordentliche Buchführung geben, und am Ende eines Geschäftsjahres ein vorzeigbarer Jahresabschluss.
Genau diese drei Vorteile haben Gunz und Walter-Mommert freiwillig und sehenden Auges verschenkt. Stattdessen haben sie sich für die einzige Form entschieden, bei der niemand Rechenschaft verlangen darf, wohin das Geld wirklich geflossen ist. Bei der niemand prüfen darf, wer mit welcher Summe in der Tasche aus dem Hafen wieder rausgefahren ist. Bei der die Mittelverwendung reine Privatangelegenheit bleibt. Bei der keine Veröffentlichungspflicht greift. Und – das setzt dem Ganzen die Krone auf – bei der das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns sogar ausdrücklich vor „betrügerischen Spendenaufrufen in sozialen Medien, insbesondere auf TikTok" warnen musste, weil unter Timmys Namen wild und unkontrolliert Geld eingesammelt wurde.
Frage an alle, die jetzt noch sagen „das war doch alles uneigennützig": Wieso macht das jemand so? Wieso verzichtet ein 500-Millionen-Mann freiwillig auf einen Steuervorteil im sechs- oder siebenstelligen Bereich? Wieso wählt man ausgerechnet die einzige Konstruktion, bei der niemand reinschauen darf, wohin die Knete geht? Mir fällt da nur eine plausible Antwort ein: Weil man nicht möchte, dass jemand reinschaut. Bei einem Aufgebot aus einem wegen Untreue verurteilten Tierretter, US-Tierärzten auf Honorarbasis, einer Anwältin, einem peruanischen „Walflüsterer", Bootsbesitzern und Schlepperreedereien wäre Transparenz vermutlich richtig unangenehm geworden.
Ihr dürft mich an dieser Stelle gerne korrigieren, falls ich was übersehen habe – falls es doch irgendwo einen Verein, eine Stiftung oder eine gGmbH gibt, dann her mit dem Beleg. Ich hänge ihn gerne im Nachgang an. Aber bis dahin gilt: Der Spruch „die haben ja nur privat gespendet, das geht euch nichts an" ist exakt das, was er ist – ein Schutzschild gegen Nachfragen. Und genau dafür wurde diese Konstruktion gewählt.
𝗗𝗶𝗲 𝗲𝗶𝗴𝗲𝗻𝘁𝗹𝗶𝗰𝗵𝗲𝗻 𝗙𝗮𝗰𝗵𝗹𝗲𝘂𝘁𝗲 𝘄𝘂𝗿𝗱𝗲𝗻 ü𝗯𝗲𝗿𝗴𝗮𝗻𝗴𝗲𝗻 🔬
Und das ist der Skandal, den die Bild euch nicht erzählt hat. Schon am 3. April – Wochen vor dem Transport – hatten Greenpeace, das Deutsche Meeresmuseum Stralsund, das Institut für Wildtierforschung und Sea Shepherd ihr internationales Netzwerk konsultiert. Strandungsexperten der Internationalen Walfangkommission. Das British Divers Marine Life Rescue Team. Die Top-Leute weltweit. Das Fazit war eindeutig: Dem Wal sei nicht mehr zu helfen. Die einzig vertretbare Option sei eine palliative Begleitung gewesen – das Tier in Ruhe sterben zu lassen.
Greenpeace, Meeresmuseum, Sea Shepherd – sie alle erklärten, in die Vorbereitungen der Privataktion nicht eingebunden worden zu sein. Burkard Baschek, wissenschaftlicher Direktor des Meeresmuseums Stralsund, ging schon Anfang April von einem baldigen Tod aus. Eine Buckelwal-Expertin sagte dem Guardian, sie wolle nicht mehr namentlich genannt werden, weil es „gefährlich geworden ist, in Deutschland über Buckelwale zu sprechen". Das Meeresmuseum wurde öffentlich denunziert, es wolle den Wal nur für ein Skelettpräparat opfern – eine glatte Lüge.
Backhaus, der SPD-Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, hat die Aktion trotzdem genehmigt. Gegen den ausdrücklichen Rat seines eigenen Hauses, gegen den Rat aller Wissenschaftler, gegen den Rat aller Meeresbiologen. Im September wird in Mecklenburg-Vorpommern gewählt, die SPD liegt hoffnungslos hinter der AfD. Backhaus ließ sich mehrfach zum Wal fahren, übernachtete sogar eine Nacht bei dem Tier, erklärte medienwirksam: „Ich habe ihn angefasst." Selbst die Whale and Dolphin Conservation kritisierte das öffentlich als enormen Stress für ein sterbendes Wildtier. Aber egal, Hauptsache, der Wahlkampf läuft.

𝗗𝗿𝗲𝗶 𝗔𝗯𝗺𝗮𝗰𝗵𝘂𝗻𝗴𝗲𝗻 – 𝗸𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗲𝗶𝗻𝘇𝗶𝗴𝗲 𝗲𝗶𝗻𝗴𝗲𝗵𝗮𝗹𝘁𝗲𝗻 📋
Vereinbart waren drei zentrale Dinge: eine Videoüberwachung des Wals, die Weitergabe der Tracker-Daten ans Umweltministerium und ein tierärztliches Gutachten nach der Freilassung. Backhaus selbst sagt jetzt der Bild: „Keine davon eingehalten worden." Der Tracker liefert keine verwertbaren Daten – nach Einschätzung von Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack liegt der Sender vermutlich zusammen mit dem Wal auf dem Meeresgrund. Statt einer professionellen Sensorik, wie sie Forschungseinrichtungen verwenden, kam mutmaßlich nur ein simpler Hundetracker zum Einsatz. Das Tierärztliche Gutachten? Fehlanzeige. Die Freilassung wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ohne Aufnahmen durchgeführt. Das Ministerium prüft jetzt rechtliche Schritte gegen die Initiative.
Und während die selbsternannten Retter in jede Kamera gelogen haben, der Wal habe „Vitalzeichen", er sei „auf dem Weg in die Freiheit", er habe „Hoffnung" – wussten die Fachleute längst, dass das Tier kaum überleben würde. Eine schwer kranke, abgemagerte, sterbende Buckelwal-Kuh, monatelang gestrandet, mehrfach von Sandbänken zurück ins flache Wasser gedrängt durch genau die Boote, die ihn angeblich „retten" wollten. Hilses Boot soll sogar verhindert haben, dass der Wal von alleine in die richtige Richtung schwamm.
𝗨𝗻𝗱 𝗱𝗮𝘀 𝗮𝗹𝗹𝗲𝗿𝘀𝗰𝗵𝗹𝗶𝗺𝗺𝘀𝘁𝗲: 𝗗𝗶𝗲 𝗖𝗵𝗲𝗳𝘁𝗶𝗲𝗿ä𝗿𝘇𝘁𝗶𝗻 𝗹𝗶𝗲𝗴𝘁 𝗶𝗺 𝗞𝗼𝗺𝗮 💔
Janine Bahr-van Gemmert, die leitende Tierärztin der Aktion, liegt seit Tagen mit schlaganfallähnlichen Symptomen im Koma. Eine Frau, die offenbar bis zum Umfallen für diese vermurkste Aktion gerackert hat, während die Sponsoren in München und auf dem Tegernsee saßen und die Bild ihre Auflage hochjubelte. Das ist der Preis, den die Leute vor Ort bezahlt haben, während andere die Lorbeeren einsammeln wollten.
𝗪𝗮𝘀 𝗮𝗹𝘀𝗼 𝗯𝗹𝗲𝗶𝗯𝘁? 🥀
Ein toter Wal vor Dänemark. Eine Tierärztin im Koma. Eine zerstrittene Initiative. Drei gebrochene Abmachungen. AfD-nahe Akteure, die das Thema Tierschutz für sich entdeckt haben, um Misstrauen gegen staatliche Institutionen und etablierte Wissenschaft zu schüren. Petitionen gegen Wissenschaftler und Behörden, die nichts anderes sind als Denunziantentum. Und ein SPD-Minister, der seinen Wahlkampf auf dem Rücken eines sterbenden Tieres ausgetragen hat.
Und – darüber redet keiner – ein riesiger Schaden für den seriösen Tierschutz. Die Spendenbereitschaft sinkt, weil die Leute jetzt zu Recht fragen: Wo bleibt das Geld eigentlich? Wer profitiert wirklich? Wenn die nächste Hilfsorganisation für gefährdete Arten Spenden sammelt, wird sie zu hören kriegen: „Ach, ihr wieder, wie bei Timmy."
𝗦𝗼 𝘀𝗶𝗲𝗵𝘁 𝗲𝘀 𝗮𝘂𝘀, 𝗹𝗶𝗲𝗯𝗲 𝗟𝗲𝘂𝘁𝗲
Das ist kein Tierschutz. Das ist ein perfekt orchestrierter Reputationsdeal. Image gegen Klicks, mit einem leidenden Wal als Werbeträger. Ein Mediamarkt-Millionär mit Bild-Draht, eine Trabrennstall-Königin aus einem Sport in Dauerkritik, ein Wahlkampf-Minister, ein paar AfD-nahe Selbstdarsteller – und am Ende ein qualvoll verendetes Tier, das die wahren Fachleute in Ruhe hätten sterben lassen wollen.
Greenpeace-Meeressäuger-Experte Thilo Maack hat es nach dem Auffinden des Kadavers in einem Satz zusammengefasst: „Mit diesem Todfund findet jetzt diese zum Teil absurde Geschichte ein Ende." Treffender kann man es nicht sagen.
Der alte Mann aus dem tiefen, dunklen Wald wünscht Timmy einen ruhigeren Tod, deb die Menschen ihn nicht ermöglicht haben. Und allen anderen wünsche ich, dass sie das nächste Mal kritisch hinschauen, wenn die Bild plötzlich aus zwei superreichen Unbekannten Tierschutz-Helden zaubert. Es gibt fast immer einen Grund, warum so was passiert. Und der hat fast nie was mit dem Tier zu tun. 🐋
Veröffentlicht mit Welako