Seinen ewigen Schmerz ertränkte er mit Alkohol - Sach & KrachsteemCreated with Sketch.

in #deutsch4 years ago

Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.

--- Fritz Bauer --- (hessischer Generalstaatsanwalt)

Lach, Krach und Sachgeschichten aus Berlin

Rückblick: https://steemit.com/deutsch/@cultus-forex/schmuddelhefte-zum-guten-hirten-sach-and-krach

Fortsetzung:

Bei Fritz & Emma hing immer mehr der Haussegen schief, so dass es fast aus dem Rudern lief. Fritz arbeitete jahrelang in den Weddinger AEG-Werken und hatte bei der Arbeit sein linkes Bein ab dem Unterschenkel verloren, das durch eine Holzprothese ersetzt wurde.
Im Lauf der Jahre konnte er echt gut mit dem Ding umgehen und mit einem Bein schwimmen konnte er wie ein Weltmeister. Dass so eine Amputation jahrelange heftige Schmerzen mit sich brachte war klar, zumal die damalige medizinische Behandlung noch nicht so weit fortgeschritten war.
Seinen ewigen Schmerz ertränkte er mit Alkohol.

Es kam die Zeit, wo sich beide nicht mehr riechen konnten und sie nur noch am Streiten waren, was teilweise zu körperlichen Angriffen führte. Ich war nur noch genervt und musste öfters dazwischen gehen um zu verhindern, dass er sie nicht krankenhausreif schlug.
Ich kann mich noch gut erinnern, wie er sie einmal in der Küche packte und ihr fast das Rückgrat an der Küchenhexe brach. Erst als ich brüllte wie am Spieß, lies er von ihr ab. Zuvor hatten sie sich noch „Günther“ zu uns in die Wohnung geholt, mit dem ich mein Zimmer teilen musste.
Günther war auch so ein Zögling von Ihnen, den sie vor dem Heim retten wollten. Beide waren total überfordert mit der Situation. Günther war so der Typ „Zappelphilipp“, ADHS war damals noch nicht bekannt.
Es gab immer Stress mit ihm in der Schule. Kinder mit diesem Syndrom wurden früher schnell als blöd und unerziehbar abgestempelt.
Meist landeten in der Sonderschule oder im Kinderheim, wo versucht wurde sie gefügig zu machen. Der arme Kerl hat oft den Zorn von Fritz abbekommen und wurde im Flur der Wohnung des Öfteren mit dem Rohrstock grün und blau geprügelt. Günthers Schreie konnten alle Hausbewohner vernehmen.
Da aus Augen der Erwachsenen Günther nicht zu bändigen war, landete er letztendlich doch im Heim. Ich kam mir richtig blöd und schlecht dabei vor, nur weil ich das Talent besaß, allen Frust und miese Gedanken, Wut, Trauer, Unzufriedenheit in mich rein zu fressen.
Ich wurde nicht als unhaltbar abgestempelt und nicht verurteilt ins Heim für Schwererziehbare zu müssen.
Schnell hatte ich kapiert, nicht mein Inneres nach außen zu kehren. Passt du nicht in die Vorstellungen der sog. Erziehungsorgane, bist du erledigt.
Mich kotzte diese Erwachsenenwelt immer mehr an. Emma wurde auch immer kränker und hatte einen Bauchnabelbruch, der sie total ausbremste. Ich selbst, wollte mich so wenig wie möglich zu Hause aufhalten und verbrachte so viel Zeit auf der Straße wie nur möglich.
Was ich den beiden immer hoch anrechnete war, dass sie ihr ganzes Leben der Rettung verlorener Kinder widmeten. Nach ihren eigenen Angaben war es ihr Ziel, sie lebensfähig zu machen, damit sie eigenständig ihr Brot verdienen und sich um sich selbst kümmern können.
Was der Alte mir auch immer wieder einbläute: Junge, du musst erst was lernen, auf was du immer wieder notfalls zurückgreifen kannst, um deine Brötchen zu verdienen.
Wie du das später handhabst, ist vollkommen egal. Einer seiner Leitsprüche war: „Du kannst blöd wie nur etwas sein, du darfst dich nur nicht blöd anstellen“.
Beim Fußball würde man sagen „Das Runde muss ins Eckige“ egal wie.
Leider konnte ich mich mit dem Gedanken Optiker zu werden überhaupt nicht anfreunden, zumal ich wusste, dass die den ganzen Tag mit weißem Kittel wie Ärzte im Geschäft rumrannten..................

Fortsetzung folgt


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